Jubiläum 2011: Hotel Falken Wengen (BE)


Hotel Falken kurz nach der Eröffnung 1895 - Dependance Gentiana (1903) mit dem erweiterten Hotel (1908)

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Der Hotelbau 1895

Die Geschichte des Hotel Falken beginnt in der Zeit des grossen Hotelbaus der 1890er-Jahre, als Johann von Allmen, «Wirth zur Weinhalle in Lauterbrunnen», am 26. Dezember 1894 vom Regierungsstatthalter in Interlaken die Bewilligung erhält, «auf seinem Grundstück, im innern Grubi auf Wengen, ein Hotelgebäude nach den aufgestellten Profilen aufzubauen.» Bereits zur Sommersaison 1895 ist das Haus vollendet, im hoteleigenen Fremdenbuch findet sich am 27. Juli 1895 der erste Eintrag: Dr. Theodor Asher aus Hamburg bezog damals Zimmer 21 im neu erstellten Haus. Auf den ältesten Fotografien erscheint das neue Hotelgebäude als repräsentativer Neubau auf der Hügelkuppe oberhalb des neuen Bahnhofs. Insgesamt vier Geschosse waren verteilt auf ein Erdgeschoss mit vorgelagerter offener Veranda, zwei Obergeschosse sowie ein Dachgeschoss im Mansartdach. Auf den Fotografien der damaligen Zeit sind die Doppelzimmer an den Doppelfenstern, die Einerzimmer an den einzelnen Fensteröffnungen zu erkennen. Die Treppe sowie ein Water Closet pro Etage waren, wie damals bei Berghotels üblich, auf der weniger aussichtsreichen Rückseite angeordnet. Das Hotel Falken war im aufstrebenden Fremdenort von weither sichtbar und offerierte seinen Gästen durch seine vorzügliche Lage auf einem natürlichen Hügel eine bevorzugte Aussicht auf das Massiv der Jungfrau.

Wie die Einträge in den Fremdenbüchern belegen, war das neue Hotel von Anfang an erfolgreich. In der ersten Saison wurden vom 27. Juli bis 27. August bereits weit über 100 Personen beherbergt, je ein Drittel stammte damals aus England und aus Deutschland. In der zweiten Saison, welche die Monate Juli und August 1896 umfasste, fanden sich über 170 Personen ein, mehr als ein Drittel davon waren wiederum Deutsche. Die kontinuierlichen Geschäftserfolge führten in den folgenden Jahren zu markant steigenden Gästezahlen, wie die lückenlos erhaltenen Fremdenbücher nachweisen. Bald einmal wurde der Beginn der Sommersaison in die zweite Maihälfte vorverlegt und sie dauerte seit 1899 in der Regel bis in die zweite Septemberhälfte. Diese Erfolge ermutigten Adolf von Allmen, den Sohn des Erbauers, der das Hotel nach dem Tod seines Vaters 1896 übernommen hatte, zum Ausbau. Am 10. Mai 1901 wurden im Erdgeschoss die ersten vier elektrischen Glühlampen montiert, damals eine sehr kostspielige Investition, die sich nur erfolgreiche Hoteliers leisten konnten. Im Sommer 1905 wurde hinter der Dependance ein hoteleigener Tennisplatz in Betrieb genommen.

Dependance Gentiana

Am 20. Juli 1903 erteilt der Statthalter die Bewilligung zum Bau eines Wohnhauses, das im August 1903 als «Chalet Gentiana» die ersten Gäste beherbergen kann. Die dreistöckige Dependance entstand als Holzgebäude mit Satteldach. Auf der südlichen Aussichtsseite weist das Haus unter einem Querfirst eine grosszügige Veranda auf. Fassaden und Dachränder waren, im Gegensatz zum wenig dekorierten Hauptbau von 1895, mit zahlreichen Zierformen im Schweizer Holzstil ausgestattet. Nach 1903 dominiert die neue Dependance das alte Hotelgebäude bezüglich Grösse und Eleganz auf allen Ansichten, das Hauptgebäude von 1895 wirkt neben der selbstbewusst in den Vordergrund tretenden «Gentiana» recht bescheiden.

Der Hotelumbau 1908

Der gute Geschäftsgang und die nach der Jahrhundertwende in Wengen immer häufiger diskutierte Wintersaison ermutigten etliche Hotelbesitzer zum Umbau ihrer Gebäude. 1908 erhielt auch der Falken eine bauliche Erweiterung gegen Osten mit einem grossen Speisesaal im Erdgeschoss und je vier neuen, grosszügigen Doppelzimmern auf den Etagen. Zusätzlich kam ein viertes Stockwerk hinzu sowie eine neue Dachgestaltung. Das Hauptgebäude erhielt nun, in Analogie zur Dependance von 1903, eine Fassadenverkleidung mit Holzschindeln sowie ein Satteldach mit Quergiebeln und Zierformen im Schweizer Holzstil. Gemäss Fremdenbuch waren die neu erstellten Zimmer im Juli 1908 erstmals von Gästen belegt.

Bedeutend waren auch die damaligen Investitionen in den technischen Fortschritt: Sämtliche Räume im erneuerten Hauptgebäude wurden mit elektrischem Licht ausgestattet. Im Hinblick auf den zukünftigen Winterbetrieb wurde zudem eine Zentralheizung eingebaut und 1908 zuerst in den unteren zwei Geschossen in Betrieb genommen, im folgenden Jahr bis zum Dachgeschoss. Ausserdem führte nun ein von der Firma Stigler in Mailand gelieferter Personenlift die Gäste auf bequemem Weg in die oberen Etagen, ihr Gepäck wurde in einer eigens dazu konstruierten und unter der Personenkabine mitgeführten Plattform transportiert. Mit dem Umbau von 1908 hatte das Hotel Falken bereits seine heutige Grösse erreicht. Mit elektrischem Licht, Zentralheizung und Personenaufzug bot es seinen Gästen zudem einen Komfort, mit dem zur damaligen Zeit nur die besten und fortschrittlichsten Hotels aufwarten konnten.

Mit der ersten Wintersaison der Wengernalpbahn eröffnete das Hotel Falken am 6. Dezember 1909 erstmals seine Tore in der kalten Jahreszeit. In der bis Ende Januar dauernden ersten Winteröffnung wurden 151 Gäste empfangen, 145 kamen dabei aus England. Bis zum Ersten Weltkrieg stellten Personen aus dem britischen Weltreich weit über 90 Prozent der jeweiligen Wintergäste. Im Sommer hingegen waren bis zum Ersten Weltkrieg die Deutschen in der Mehrzahl, gefolgt von englischen und schweizerischen Gästen.

Das Hotel Falken nach dem Ersten Weltkrieg

Nach der schwierigen Zeit des Ersten Weltkriegs, während der die Gästezahlen dramatisch sanken und der Winterbetrieb zeitweise eingestellt blieb, konnte sich der Hotelbetrieb in den 1920er-Jahren wieder langsam erholen. Kurz vor seinem Tod 1931 entschloss sich deshalb Adolf von Allmen noch zu etlichen Erneuerungen, wie dem Anbau zusätzlicher Balkone oder dem Einbau von Lavabos mit fliessendem warmem und kaltem Wasser in allen Gästezimmern. In den 1930er-Jahren folgten etliche kleinere Erweiterungen, wie der Anbau auf der Westseite für ein Schreibzimmer (heute Bar) oder der Umbau der Halle mit einer Erweiterung gegen Westen sowie ein neuer Windfang.

Die Geringschätzung der Architektur aus der Zeitwende um 1900 in den Jahrzehnten des ungebremsten Wachstums nach dem Zweiten Weltkrieg erfasste den Falken glücklicherweise nicht in ihrer ganzen Brutalität, hinterliess aber dennoch etliche Spuren. Im Frühjahr 1960 erhielt das Haus Gentiana eine Eternitverkleidung der Aussenwände, kurze Zeit später auch das Hauptgebäude. Weitere grosse baulichen Eingriffe liessen aber die langjährigen Eigentümerinnen, die 1962 verstorbene Maria von Allmen-Huggler, Gattin des bereits 1932 verstorbenen Adolf von Allmen, sowie deren Tochter Hedy (1895-1995) und ihre Stiefschwester Elsa Cova-Häsler (1912-1999) nicht zu.

10 Jahre "Hotel Falken AG" - Swiss Historic Hotel

Diese glückliche Fügung des Schicksals ermöglichte es Sina Feliciano-Cova, seit 2001 neue Eigentümerin seit dem überraschenden Tod ihres Bruders Andrea Cova (1948 - 2000), das historische Haus sukzessive zu renovieren. Zu den technisch notwendigen Arbeiten gehörten dabei die Neueindeckung des Schrägdaches, die Renovation der Flachdächer und die Neuanlage aller Leitungen im Haus (Wasser, Heizung, Elektrizität). Die Isolation der Aussenwände und der Ersatz der Fenster nach historischen Vorbildern erhöhen die Behaglichkeit für die Gäste und vermindern die Energiekosten. Grosses Augenmerk legte die neue Eigentümerin bei ihren Erneuerungen auf die fachgerechte Renovation der Gästezimmer mit der Restaurierung von Parkettböden und historischem Mobiliar sowie der Auskleidung der Wände mit Tapeten nach historischen Vorbildern. Besonders wertvoll sind die seit 2000 vorgenommene Renovation der Erdgeschosshalle sowie die Erneuerung der beiden Veranden nach historischem Vorbild, die heute den erweiterten Speisesaal sowie Bibliothek und Aufenthaltsräume enthalten. Weitgehend im Originalzustand von 1908 erhalten sind mit Parkettboden und originalen Leuchten ausgestattete Speisesaal sowie der Salon im Erdgeschoss. In der Mehrzahl der Gästezimmer finden sich noch die historischen Lavabos von 1930 sowie Mobiliar aus den ersten Jahrzehnten des Hauses. Zusammen mit den wieder angebrachten Tapeten verleihen sie dem Haus einen nur noch selten anzutreffenden Charme eines historischen Berghotels, das seit 2007 Mitglied ist bei den Swiss Historic Hotels.